Aktuelles 2010
Archiv:  2011 / 2009
Wenn 600 Helfer Hand in Hand arbeiten
Zeitungsartikel im Obermaintagblatt vom 18.03.2010
Karl-Heinz Drossel erwartet für den Obermain-Marathon am 18. April 2200 Starter/Kraftakt für alle Beteiligten
von Markus Drossel


BAD STAFFELSTEIN - Äußerlich wirkt Karl-Heinz Drossel ruhig. Innerlich brodelt es beim Hauptorganisator des Obermain-Marathons: Noch 30 Tage sind es bis zum läuferischen Großereignis, für das sich schon mehr als 1000 Sportbegeisterte gemeldet haben. „Kalle” steht nun die heiße Phase mit vielen schlaflosen Nächten bevor.

Scheinbar gelassen schlürft Karl-Heinz Drossel seinen Kaffee. Sein Blick wandert jedoch immer wieder auf den Bildschirm seines Computers. Die Seite „www.obermain-marathon.de” ist geöffnet. Wie eigentlich immer. Er aktualisiert den Internetbrowser. Schon wieder neue Meldungen. „Es werden von Tag zu Tag mehr”, murmelt der 57-Jährige vor sich hin. Er nimmt erneut einen Schluck. „Mein Kaffeekonsum übrigens nicht.” Der ist sowieso schon auf einem hohen Niveau.

„Ich denke, dass wir für den Obermain-Marathon heuer 2200 Starter bekommen”; sagt er. Aktuell sind es mehr als 1000 Zusagen in den Disziplinen Marathon, Halbmarathon, Nordic-Walking-Kurzstrecke und -Halbmarathon sowie für die bayerischen Meisterschaften. „Das Gros kommt ja erst noch”, weiß der Ebensfelder aus Erfahrung. „Eine Teilnehmerin hat mal zu mir gesagt: Wir Läufer melden erst immer kurz vor Schluss.”

Insgesamt sind die Meldezahlen schon höher als zum vergleichbaren Zeitpunkt im Vorjahr. Vor allem im Halbmarathon. Die Marathonis dagegen melden noch zögerlich: „Das liegt am langen, harten Winter . Keiner weiß, wann er richtig ins Training einsteigen kann”, begründet der 57-Jährige. „Wer bei uns teilnimmt, der will vorher im Gelände trainieren sprich am Berg und im Wald üben. Das ist aktuell noch nicht gefahrlos möglich.”

Ehre und Bürde zugleich

Der TSV Staffelstein, der Ausrichter des Obermain-Marathons, feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Der Bayerischen Leichtathletikverband lässt dem Verein deshalb mit der Ausrichtung der bayerischen Meisterschaften im Halbmarathon eine besondere Ehre zuteil werden. Drossel erwartet hierzu am 18. April zahlreiche Spitzenläufer am Obermain. Die wiederum lassen aber mit der Zusage noch auf sich warten. Aus bekannten Gründen.

Einer der Besten der vergangenen Jahre jedoch hat schon sein Kommen signalisiert. „Tja, wer einmal teilnimmt, der kommt immer wieder”, sagt Karl-Heinz Drossel schmunzelnd. „Das gilt nicht nur für Rudi Paulus.” Bei der sechsten Auflage ist er zum sechsten Mal mit dabei. Seine Bilanz: Erster im Marathon 2009 und 2008, Zweiter 2007, 2006 und 2005 - und damit ist er ein heißer Kandidat für den Marathonsieg 2010.

Richtig ins Staunen kam Karl-Heinz Drossel, als sich Anton Luber aus Nürnberg anmeldete. „Anton ist vollkommen blind. Er wird von Lauftherapeut Roland Blumensaat begleitet”, sagt er. „Das ist beachtlich. Das hatten wir so noch nie.” Drossel ist gespannt.

„Es ist übrigens gar nicht so einfach, die Bayerischen Meisterschaften im Halbmarathon auf die Beine zu stellen”, lässt Drossel durchblicken. Die Vorgaben sind strikt, das Reglement eindeutig. „So kommt beispielsweise ein offizieller Vermesser in den nächsten Tagen vom Leichtathletikverband zu uns. Er hat dafür eigens eine Ausbildung. Mit einem geeichten Fahrrad fährt er dann die Strecke ab”, fügt er an. Das Ganze geschieht vom Ziel im Stadion aus in umgekehrter Richtung: „Den Startpunkt können wir leichter korrigieren,” Er wird aber definitiv in der Bischof-von-Dinkel-Straße sein.

„Wenn ich meine Leute nicht hätte...”: Knapp 600 Helfer sind für das Großereignis eingespannt. Alleine die Freiwilligen Feuerwehren entlang der Strecke sind mit 120 Helfern dabei. Hinzu kommen rund 50 ehrenamtlich tätige Männer und Frauen von DLRG, Wasserwacht und Rotem Kreuz. Sie alle stellen sich in den Dienst der sportlichen Sache.

Nicht zu vergessen die Mitglieder des TSV Staffelstein. Etliche müssen in den „sauren Apfel” beißen und können selbst nicht teilnehmen. Stattdessen sind sie Streckenposten, Wettkampfgericht - oder einfach „Mädchen für alles”. Drossel weiß, wem er viel verdankt: „Seinem Verein“ um Vorsitzenden Wolfgang Klecker. „Der ganze TSV steht hinter dem Obermain-Marathon. Gott sei Dank.“ Auch Bürgermeister Jürgen Kohmann und Landrat Reinhard Leutner zählen zum Kreis der Förderer.

Strecke kurzfristig geändert

Der Kaffee von Karl-Heinz Drossel ist nun fast leer. Sein Kopf dagegen voller Gedanken: „Es gibt ja noch so viel zu tun...” Vor Kurzem erst musste die Strecke geändert werden. Durch die Maßnahmen der Hochwasserfreilegung in Bad Staffelstein ist ihm die Fußgängerbrücke von der Horsdorfer Brücke zum Staffelberg-Center weggefallen.

Schnell wurde reagiert und umdisponiert. Die Teilnehmer der Disziplinen Halb- und Marathon laufen nun in Richtung „Lautergrund-Kreisel”, biegen dort rechts ab und nach wenigen hundert Metern wieder links in Richtung Eichelsee und Pferdsfeld. Dort treffen sie wieder auf die bisherige Strecke.

Das Rahmenprogramm für die Zuschauer steht in groben Zügen. „Weitere Vorschläge sind herzlich willkommen”, so Drossel. „Definitiv trommelt wieder eine Samba-Gruppe am Start und im Ziel. Auf dem Staffelberg spielten außerdem Mitglieder des Schottland-Clubs Obermain Dudelsack.” Außerdem werden wohl auch die Schulbands der Viktor-von-Scheffel-Realschule irgendwo entlang der Strecke auftreten. Das aber ist noch nicht „in trockenen Tüchern”.

„Es gibt ja heuer sogar jemanden, der eine Doktorarbeit über den Obermain-Marathon schreiben will”, fällt dem 57-Jährigen ein. Namentlich ist es Pascal Oppel, der sich dem Komplex „Schmerzmittel im Bereich des Sports” widmen. Darüber hinaus schreiben Elftklässer eines Coburger Gymnasiums über „Wie organisiere ich eine Groß-Veranstaltung?”. Natürlich am Beispiel des Obermain-Marathons.

Karl-Heinz Drossels Hirn läuft schon seit vielen Wochen Marathon. Bald wird es zum Spurt übergehen müssen. Er selbst kommt kaum noch zum Stressausgleich durch Laufen. „Ich habe es mal zusammengerechnet. 1500 ehrenamtliche Stunden sind es definitiv pro Jahr bei mir für den Obermain-Marathon”, bilanziert er. Nach einer kurzen Pause und einen Blick in seine leere Kaffeetasse fügt er leise hinzu: „Eher sogar mehr. Aber es macht ja Spaß.” Er weiß es selbst: Irgendwie ist das ein wenig verrückt.
<<< zurück zur Übersicht
Design: Melanie Böhmer